Kopfleiste-2017
Umbau einer doppelten Kreuzungsweiche von Märklin

 

 

Da beim MMV auf der Anlage sowohl Zweileiter (2L) und Dreileiter (3L) gefahren wird, ist die Spannungsversorgung der Schienen im Weichenbereich sehr schlecht. Dadurch bleiben im 2L Betrieb kleine Lokomotiven mit kurzen Achsständen in den Weichen wegen fehlender Spannungsversorgung stehen. Des Weiteren ist der Mittelleiter, Punktkontakt, in vielen Fällen ein mechanisches Hindernis, Kupplungsbügel zur Entkupplung, denn im Weichenbereich ist der Punktkontakt etwas höher als die Schienen. Diese Anordnung hebt den Mittelschleifer der 3L Fahrzeuge so weit an, dass beim Kreuzen des Schleifers mit den abzweigenden Schienen, in der Abbildung 1 gelb gezeichnet, keine Verbindung, je nach Radsätzen einen Kurzschluss, erzeugt wird.

 

 

Abb.01

Die Märklin Doppeltekreuzungsweiche (DKW) ist mit zwei originalen Magnetartikelantrieben (A1, A2) ausgestattet, die je über eine Endabschaltung verfügen. Die blau und rot gezeichneten Schienen in der Abbildung 1, sind entsprechen von Märklin fest „verdrahtet“. Der Punktkontakt, Abbildung 1 grüne Punkte, ist komplett elektrisch leitend verbunden. Die in der Abbildung 1gelb gekennzeichneten Schienen, Nr. 2; 5; 8; 11, sind immer spannungsfrei. Die Weichenzungen, Abbildung 1braun dargestellt, sind nur durch das Anliegen zur nebenliegenden Schiene mit diesem Potenzial verbunden. In den meisten Fällen ist das aber ein sehr schlechter elektrischer Kontakt.

Abbildung 1

 

Vorschlag

 

Die gelb und braun gezeichneten Schienen, nummeriert in der Abbildung 1 von Nr.1 – Nr.12, sind über eine elektrische Schaltung mit dem richtigen Potenzial anzusteuern. Danach können die Punktkontakte bis auf die Höhe der Schienenoberkante gekürzt werden. Somit gibt es in der Weiche keine mechanischen Hindernisse mehr, an denen die Kupplungsbügel anstoßen könnten.

Wird die Weiche mit den originalen Weichenantrieben ausgestattet, hat das den Vorteil, dass auch bei der Handbedienung der Weiche immer die richtige Polarität an den Schienen anliegt. Bei der Verwendung von anderen Antriebsvarianten müssen entsprechende Kontakte zur Ansteuerung der elektrischen Schaltung zur Verfügung stehen. Wird die Weiche aufgefahren, befahren ohne die richtigen Weichenstellung, gibt es einen Kurzschluss auf Grund der falschen Polarisation der Schienenanschlüsse.

In der folgenden Tabelle, Abbildung 2, wird dargestellt, mit welcher Polarität die Schienenanschlüsse für die entsprechenden Fahrten zu beschalten sind.

Abb.02

                                              Abbildung 2

 

Das nächste Bild, Abbildung 3, zeigt den Prinzipschaltplan der elektrischen Schaltung zur Steuerung der Polarität der Schienenanschlüsse. Die Schaltung nutzt die Endabschalter der beiden Weichenantriebe zur Auswertung der Weichenstellung.

Je nach Fahrt über die DKW sind die Weichenantriebe in einer entsprechenden Lage. Über die Rückmeldekontakte wird diese Lage in der elektrischen Schaltung gespeichert, um bei kurzen Unterbrechungen in den Endabschaltern die geschalten Potenziale an den Schienenanschlüssen weiterhin anzuschalten. Die logische Verknüpfung schaltet über einen Verstärker die entsprechenden Ausgaberelais, mit deren Kontakte das benötigte Potenzial an den Schienenanschlüsse angeschaltet wird.

Abb.03

 

Abbildung 3

Umbau

 

Der Umbau der doppelten Kreuzungsweiche ist eine Herausforderung an den Bastler. In den folgenden Bildern werden die Umbauschritte kurz beschrieben:

Abb.04

                                              Abbildung 4

 

Die Abbildung 4 zeigt die originale DKW von Märklin. Als erster Schritt sind die Weichenzungen aus der Weiche zu entfernen. Dazu ist die Weiche mit den Schienen auf eine ebene Unterlage zu legen. Eine Vertiefung für eine Weichenzunge in dieser Unterlage ist von Vorteil, denn die Zunge muss zur Schienenseite entnommen werden. Jetzt muss die Einfassung, siehe Abbildung 6, in dem sich der Drehzapfen der Weichenzunge befindet, leicht gespreizt werden.  Während der Spreizung ist der Drehzapfen, siehe Abbildung 5, mit leichtem Druck in Richtung Unterlage, ca. 2mm, zu schieben. Achtung, wird die Spreizung nicht weit genug ausgeführt, wird der Rastring in der Einfassung beim Herausdrücken des Drehzapfens beschädigt. Dadurch kann der Drehzapfen später nicht mehr in seiner eingebauten Lage fixiert werden.

Abb.05
Abb.06

Abbildung 5

                                    Abbildung 6

Abb.07

Jetzt muss erst der Stellzapfen aus der Stellschwelle entnommen werden. Auch hier ist mit besonderer Vorsicht vorzugehen, denn die Stellschwelle, siehe Abbildung 7, kann sehr schnell im Bereich des Loches brechen. Anschließend kann die Weichenzunge komplett entnommen werden.

Dieser Vorgang ist für alle weiteren sieben Weichenzungen zu wiederholen.

Da die originalen Zungen, Abbildung 8, im vorderen Bereich nur sehr kurz angeschliffen sind, empfehle ich die Bearbeitung der Einlaufphase, siehe Abbildung 9.

 

Abbildung 7

 

Abb.08
Abb.09

Abbildung 8

                                    Abbildung 9

Abb.10

Nun muss an den Drehzapfen jeder Weichenzunge eine Litzenader angelötet werden. Die Litze sollte im Durchmesser so beschaffen sein, dass sie inklusiv der Isolierung durch die Bohrung der Einfassung passt. Auf Grund des Schienenmaterials, ist der Einsatz von Lötpaste / Lötwasser erforderlich. Die Lötung muss mit größter Sorgfalt ausgeführt werden, denn sonst könnte die Weichenzunge in der Einfassung klemmen oder bei einem Kurzschluss könnte sich die Lötung lösen.

Abbildung 10

 

Jetzt werden die Punktkontakte in der Kreuzungsweiche bis auf das Schienenniveau abgeschliffen. Hier bietet sich auch die plane Unterlage an. Man fixiert ein groberes Schmiergelleinen mit Doppelklebeband, Heftzwecken oder der Gleichen auf der Unterlage. Die Weiche wird mit den Schienen auf dieses befestigte Schmiergelleinen gelegt. Jetzt wird mit einer kreisenden Bewegung mit der Weiche auf dem Schmiergelleinen der Schleifvorgang begonnen. Es ist darauf zu achten, dass die Ausrichtung der Weiche während des Schleifens möglichst waagerecht ist. Damit soll verhindert werden, das die Schienen ungleichmäßig beschliffen werden. Wenn die Punktkontakte abgeschliffen sind ist das grobere Schmiergelleinen durch ein sehr feines zu ersetzen. Jetzt wird der Schleifvorgang wiederholt, bis die Oberflächen der Schienen und Punktkontakte riffenfrei sind. Anschließend werden die Punktkontakte mit einer Schlüsselfeile entgratet, ggf. noch mit dem feinen Schmiergelleinen behandelt.

Abb.11
Abb.12

Abbildung 11

                                    Abbildung 12

Abb.13

Nun beginnen die Lötarbeiten an der Weiche. Auch hier ist der Einsatz von Lötpaste / -wasser erforderlich.

Als Tipp: Bitte einen 30 Watt Lötkolben benutzen und nur eine heiße kurze Lötung machen. Ansonsten kann der Kunststoff der Schwellen Schaden nehmen. Nach Abbildung 1 sind die Anschlüsse rote Schiene, blaue Schiene, 2, 5,8 und 11 an zu löten. Das Ergebnis ist in der Abbildung 12 zu sehen.

Wenn diese Arbeiten erledigt sind, können die vorbereiteten Weichenzungen wieder vorsichtig montiert werden, siehe Abbildung 13. Auch bei der Einführung der Stellzapfen und der Drehzapfen ist besondere Vorsicht walten zu lassen. Das endgültige „Einrasten“ des Drehzapfens ist mit der Spreizung der Einfassung zu unterstützen.

Abbildung 13

 

Sind die vier Zungen auf der einen Seite montiert, sollte eine Funktionsprobe mit einem Antrieb ausgeführt werden. Es sollten alle vier Zungen dem Stellweg des Antriebes leichtgängig folgen. Jeweils die beiden Zungen müssen an der Backenschiene ohne nennenswerten Abstand anliegen. Das gewährleistet die sichere Führung der Spurkränze der Fahrzeuge, was sehr wichtig ist. Die gleiche Prozedur ist für die anderen vier Weichenzungen ebenfalls auszuführen.

So könnte das Ergebnis nach der Vollendung aussehen!

Abb.14

Jetzt beginnt der Einbau im Weichenfeld, was mit einer Bohrschablone sicherlich etwas einfacher zu gestalten ist. Denn die gesamten Anschlussdrähte sind unter die „Platte“ zu bringen. Anschließend sind die Anschlüsse mit der elektrischen Steuerung zu verbinden. Die drei Fahrspannungsanschlüsse, Mittelleiter; rechte Schiene; linke Schiene; sind ebenfalls an die Steuerung anzuschließen. Jetzt fehlen nur noch die vier Adern von den beiden Weichenantrieben und den dazugehörigen Rückleiter.

Jetzt kann die Funktion der Schaltung im Zusammenhang mit der Weiche überprüft werden. Wenn die Überprüfung des Zusammenspiels ohne Komplikationen verlaufen ist, kann der Betrieb aufgenommen werden.

Abbildung 14

 

Somit ist die komplette Polarisierung der DKW abgeschlossen und die Bastelstunde beendet.

Märklin® ist ein eingetragenes Warenzeichen  der Firma Gebr. Märklin & Cie. GmbH in Göppingen. Dieser Baubericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es wird keine Haftung für evtl. durch den Nachbau nach diesem Bericht entstandene Schäden übernommen. Dieser Bericht und alle darin enthaltenen Fotos dürfen nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. Auch eine Weiterveröffentlichung auf privaten Internetseiten ist ohne meine ausdrückliche Zustimmung untersagt.

©2014 S. Gatzka