Kopfleiste-2017

Im Folgenden möchte ich einmal meine Arbeitsweise bei der Alterung eines Rungenwagens vom Typ Kbs442 darstellen. Bevor der Rungenwagen gealtert werden kann, muss das Modell vollständig in seine Einzelteile zerlegt werden, weil sich die einzelnen Teile dadurch besser bearbeiten lassen. Die einzigen Teile aus dem Zurüstbeutel, die bereits vor der Alterung an den Wagenkasten geklebt werden können und sollten, sind die insgesamt vier zusätzlichen Tafeln mit Anschriften und die bei den neueren Auflagen von Roco separat beiliegenden Rangierertrittstufen, die bei meinem Wagen mit Bremserbühne nur einer Seite angebracht werden können.

01_Kbs_Vorher

Vor der Alterung sollten zwei weitere Details berücksichtigt werden. Zum einen kann man den in der Regel bei Roco-Kbs nicht bedruckten Ankerhaken an den Wagenenden einen gelben Warnanstrich verpassen. Bei älteren Auflagen dieses Wagentyps sind auch die Bremsumstellhebel im Bereich des Sprengwerks unbedruckt, sodass auch hier Raum für farbliche Gestaltung ist. Wie auf dem folgenden Bild zu sehen hat eine Bordwand von mir einen hellgrauen Anstrich bekommen. Ab und zu kann man bei den mittlerweile schon recht betagten Kbs beobachten, dass Bordwände ausgetauscht oder (in nicht unbedingt passenden Farben) neu lackiert werden. Das graue Segment der Bordwand ist auf einem Vorbildfoto zu sehen, wobei diese auch schon diverse Spuren des Alltags hat, die im Modell ebenfalls nachgebildet werden sollen.

02_Kbs_Demontage b

Nun folgt der erste Durchgang mit der Airbrush. Vorher sollten die Anschriften mit Abdecklack oder passend zurechtgeschnittenen Kreppbandstückchen abgeklebt werden. Die Möglichkeit, die Anschriften später wieder freizuwischen hat sich bei mir nicht bewährt, sodass ich die Anschriften stets abklebe. Für die Grundalterung mische ich Dunkelbraun mit Schwarz im Verhältnis 50:50. Das ergibt einen ergibt einen schmuddelig schwarzbraunen Farbton, der den üblichen Schmutz bei Güterwagen m.E. recht gut trifft. In dieser Farbe werden die Achshalter und Radsätze deckend lackiert; die Bremserbühne leicht eingenebelt, die Teile mit Sprengwerk und Rungentaschen etwas stärker gebrusht. Der Wagenkasten bekommt zunächst einen recht starken aber nicht deckenden Farbauftrag. Danach werden Abklebungen an den Anschriften entfernt. Diese Stellen weisen nun natürlich noch den üblichen Kunststoffglanz auf. Daher wird der gesamte Wagenkasten und die Bremserbühne einmal mit mattem Klarlack überlackiert. Im Bereich der Anschriften ergeben sich nun die ersten (erwünschten) Farbunterschiede. Bei der Farblichen Gestaltung sollten immer auch Fotos von Vorbildern betrachtet werden, da nicht jeder Rungenwagen gleich stark, hell oder dunkel verschmutzt ist. Das Ergebnis des ersten Arbeitsganges ist auf dem folgenden Bild zu sehen.

03_Kbs_Grundalterung

Zu erkennen ist auch, dass der Wagenboden einen Grundanstrich in dunkelbraun erhalten hat. Dies erfolgte deshalb, weil darauf ein aus Karton gelaserter Wagenboden mit Echtholzstruktur geklebt werden soll. Diese sind bei Moebo (www.moebo-exclusive.de) unter der Artikelnummer 4200 für den Roco-Kbs erhältlich. Außerdem sind diverse weitere Böden für andere Wagentypen im Angebot. Zum Aufkleben empfiehlt sich recht dickflüssiger matter Klarlack, weil es durch die Laserbearbeitung zu winzigen Löchern in den Fugen der "Holzbretter" kommen kann, durch die dann ein heller Wagenboden oder ein glänzend auftrocknender Klebstoff sichtbar werden kann.

04_Kbs_Feinalterung b

Der Wagenkasten bekommt nun mit einem feinen Pinsel seine Ausbesserungsstellen in verschiedenen Braun- und Rostfarbtönen verpasst. Auch hier orientiert man sich am Besten an Vorbildern, an denen teilweise die unterschiedlichsten Farben zum Einsatz kommen. Die Achshalter werden mit Pigmentfarben, mit denen man die Blattfedern und die Bremsklötze mit Rost versehen kann, ohne das gesamte Fahrwerk zu verschmieren. Die Rungen werden mit stark verdünnter schwarzer Farbe behandelt, die besonders gut in die Fugen fließt.

Zum Abschluss kommt erneut die Airbrush zum Einsatz. Mit einem Farbgemisch aus Klarlack und Rostbraun (ca. 60:40) lackiert man den gesamten Wagenkasten mit wenig Farbe über. Dies wird so oft wiederholt, bis der gewünschte Optik erreicht ist, sodass die recht harten Farbunterschiede zwischen der dunklen Grundalterung und den frischen Farbausbesserungen abgemildert werden.

Die Pufferstößel erhalten bei mir mit einem Pinsel und wenig glänzender schwarzer Farbe eine ölige Optik. Die Pufferteller bekommen mit dünner weißer Farbe einen Farbklecks, der sofort wieder weggewischt wird. Dies wiederhole ich mit einem Klecks schwarzer Farbe, sodass die durch die aneinander reibenden Pufferteller typischen grau-schwarzen Fettspuren entstehen. 

Auch die Bordwände bekommen Rostspuren auf den Innenseiten. Hier eignen sich Kreidestifte aus dem Künstlerbedarf sehr gut, weil man mit den scharfen Kanten rostige Kratzer oder Rostflecken auf die Innenseiten aufbringen kann. Je nach Intensität kann man die Kreide dann mit einem trocknen Pinsel verwischen und es entstehen Rostverläufe u.Ä. Zum Schluss kann der Wagen wieder zusammengebaut werden und es steht ein durch die Spuren des Alltags gezeichneter Rungenwagen auf der Anlage.

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©2012 A.Kühlinger

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