Kopfleiste-2017
Bau des Indusimodul West: Teil 1
Landschaftsbau einer Autobahnüberquerung der Bahnstrecke

In diesem ersten Teil erfahren sie etwas über den grundsätzlichen Sinn dieses Moduls, das Vorbild, den Nachbau, Planung, Rohbau, Gleise sowie die Landschaftsform. Im zweiten Teil geht es dann weiter mit der Landschaftsbegrünung, dem Schottern, der Oberleitung und dem Bau der Autobahn.

Grundsätzliches:

Als Bediener eines Bahnhofs (in diesem Fall des Bahnhofs Weihinzmoor) hat man immer wieder das Problem, dass die Züge, die vorm Einfahrsignal warten müssen, von einem danach folgenden Zug gerammt werden, indem sie auffahren. Dies ist immer wieder auf versäumtes Schauen zurückzuführen, denn der Fahrdienstleiter des vorigen Bahnhof´s, der „auf Sicht“ gefahren wird, muß sich jedesmal davon überzeugen, ob die Strecke frei ist und darf nur bei freier Strecke den nächsten Zug los schicken. Oft ist es so, dass der Einfahrabschnitt von Weihinzmoor jedesmal frei ist und sich eine Routine einschleicht. Irgendwann wird man nachlässig und vergisst das Schauen und schickt einfach so einen Zug in Richtung Weihinzmoor los. In diesem einen Fall steht aber ausgerechnet ein Zug vor dem Einfahrsignal von Weihinzmoor, weil dort ein Problem auftrat und der wartende Zug nicht „abgeräumt“, sprich Einfahren konnte. Es kommt zum Auffahrunfall.

Um dies zu verhindern entwickelte ich zwei Vorsatzmodule, das Indusimodul-Ost und –West, die im günstigsten Fall die maximal mögliche Zuglänge vorm Einfahrsignal entfernt aufgebaut werden.

Skizze-1

                                                                                 Skizze 1. Lageplan der Gleisanlagen und Einrichtungen

Auf diesen beiden Modulen befindet sich jeweils eine Lichtschranke, die alle Zugbewegungen erfasst, auch unbeleuchtete Steuerwagen im Schiebebetrieb. Gleichzeitig befindet sich in Fahrtrichtung hinter der Lichtschranke eine Spurkranzlichtschranke, einen sogenannten Achszähler, die den Beginn des Einfahrblock markiert (Skizze 1). Unterbricht ein Zug die Lichtschranke bei gleichzeitig belegtem Einfahrblock so wird die Stromzufuhr im Indusimodul unterbrochen und ein Summer signalisiert die ausgelöste Zwangsbremsung, was bei langen geschobenen Zügen wichtig ist, die noch von einer anderen Betriebsstelle mit Strom versorgt werden. So hoffe ich, das der dortige Fahrdienstleiter auf Grund des Summens und der nahenden Katastrophe, den Zug selbst anhält, also seinen Fahrregler abdreht.

Eine Lichtschranke übers Gleis sollte dann auch Diagonal über das Gleis geführt werden um möglichst immer eine Unterbrechung zu realisieren egal um welches rollende Material es sich handelt. Nur leider ist so etwas immer sehr auffällig und schwer zu tarnen. Da kam ich auf die Idee die Lichtschranke in eine Unterführung einzubauen, also lag eine über die Bahnstrecke samt Lichtschranke verlaufende Autobahn sehr Nahe. Also hieß es, Fotoapparat schnappen und zum Vorbild fahren, um Details zu fotografieren. Für die Draufsicht half mir Google Earth.

 

Vorbild und Modell:

Beim Vorbild handelt es sich um eine vierspurige  Autobahn, die eine Bahnstrecke überquert.

Das Modell soll eine Mischung aus einer Überquerung  der Bahnstrecke Bremen – Bremerhaven durch die A 27 in der Nähe von Bremen Burg (Bild V01) und der Überquerung  der Strecke Bremen – Hannover in der Nähe von Bremen-Mahndorf durch die A 1 (Bild V02) werden.

Bild_V01

Bild_V02

A 27 überquert Strecke Bremen-Bremerhaven. Richtung OHZ aufgenommen.

 

A 1 überquert Strecke Bremen-Hannover. Richtung Achim aufgenommen

Nachbau:

Planung:

Jetzt juckte es mir in den Fingern, die Proportionen auf eine Pappe im Modell zu zeichnen, um bestimmte Eigenschaften fest zu legen (Bild 01). Da die Modullänge schon durch das zuvor fertig gestellte Indusimodul-Ost festgelegt war, mußte auch der Mastabstand von 360mm eingehalten werden, was für eine vorbildliche zweispurige Autobahn inklusive Standspur je Fahrtrichtung schon zu eng war. Deshalb entschied ich mich die Standspur im Bereich der Brücke weg zu lassen und nach und vor der Brücke weiter zu führen, wie es bei dreispurigen Autobahnen oft üblich ist.

 

Die Pappe ist zum Schluss auch gleichzeitig als Schablone zu verwenden um Trassenbretter o.Ä. auszusägen.

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Bild 01.  Am Anfang war die Pappe, um die Maße fest zu legen

Rohbau:

Nun geht es nach ausgiebigen Überlegungen, lieber zu oft nachgedacht, als einmal zu wenig, an den Rohbau. Das Holz, hier verwendete ich 13mm starke Tischlerplatten, ließ ich im Holzhandel auf die entsprechenden Maße schneiden und brauchte lediglich die Landschaftshöhen von der Pappe auf die Seitenbretter übertragen um sie anschließend auf ein Landschaftsprofil zu sägen.

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Bild 02.  Trasse mit Versteifung

 

Bild 03.  Modulrahmen

Das 10mm starke Pappelsperrholz, als Trasse, bekommt bei mir eine 13mm starke Tischlerplatte hochkannt aufgeschraubt, um die Trasse möglichst eben zu halten. In dem Modulrahmen müssen entsprechende Aussparungen von vorn herein eingeplant und vor dem Zusammenbau ausgesägt werden, damit anschließend alles passt. (Bild 03)

Bevor nun die Trasse mit dem Modulrahmen „verheiratet“ wird, sollte man alles gegen Feuchtigkeit schützen und lackieren. Hierfür verwendete ich weiße Vorstreichfarbe und anschließenden Lösemittelhaltigen Weißlack der nach dem Aushärten keine Restfeuchtigkeit mehr behält, was ein Zusammenbacken der Module nach einem Aufbau verhindert. (Bild 04) Am besten lässt sich der Modulrahmen von unten lackieren, in dem man ihn umdreht.

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Bild 04. Trasse gegen Feuchtigkeit schützen und lackieren

 

Bild 05.  Modulrahmen lackieren

Nach dem Trockenen der Farbe  kann jetzt das Trassenbrett mit dem Modulrahmen verschraubt werden. (Bild 06)

 
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Bild 06.  Modulrohbau abgeschlossen

Gleise:

Um eine Schotterböschung zu ermöglichen sollten die Gleise 5 mm über dem Trassenbrett befestigt werden. Hierfür kommt bei mir nur 5 mm starkes Sperrholz in Frage. Bei Korkunterlagen sollte man darauf achten, das sie durchgängig verlegt werden. Weil Kork mit zunehmendem Alter schrumpft, hat man am Modulrand zur besseren Festigkeit Holzunterlagen geschaffen, die nicht wie das Kork mitschrumpfen, sonst erhält man später Sprungschanzen an den Modul-Übergängen. Damit war für mich klar, das Material muss durchgängig verlegt werden. Um genügend Festigkeit am Modulrand zu bekommen, war Holz mein Material.

Um die Gleise gut ausrichten zu können, sägte ich die Gleisunterlagen etwas schmaler als die Gleise und leimte diese mit zusätzlich verwendeten Nägeln auf. Anschließend wird die gesamte Trasse von oben mit Klarlack gestrichen um die aufgezeichneten Linien nicht zu verlieren. An der Stelle wo später der Einfahrblock beginnt, muss für den entsprechenden Achszähler eine Ausfräsung in die Schiene, die ich mit Hilfe einer kleinen Proxxon-Flex realisierte und an die entsprechende Gabellichtschranke anpasste. Dann nagelte ich die Gleise unter Berücksichtigung der Trennstellen und vorher eingebrachte Löcher für Sensoren auf . (Bild 07 bis 10)

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Bild 07. Das Nordgleis ist fertig verlegt

 

Bild 08. Loch für Achszähler

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Bild 09. Löcher für Reflexlichtschranken, falls die Lichtschranke mal ausfällt

 

Bild 10. Fertig verlegte Gleise

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Da es beim vorläufigen Indusimodul-Ost hin und wieder zu Ausfällen der Lichtschranke kam, baute ich in diesem Modul zusätzlich noch Reflexlichtschranken mit ein, sodass man im Notfall umschalten kann. Diese Reflexlichtschranken von ELV dürfen allerdings kein Fremdlicht von oben bekommen, sodass sich auch hier eine Abdeckung durch die Autobahn anbot. Um möglichst immer eine Reflexion zu haben, baute ich 3 Reflexlichtschranken diagonal ein, um sie parallel auszuwerten. (Bild 11)

Bild 11. Diagonal angeordnete Reflexlichtschranken

 

 

Die normale Lichtschranke besteht aus einem Infrarot-Sender, der im Schotter Platz findet und einem Infrarot-Empfänger, der mit einem Strohalm abgedeckt wird, um Fremdlichteinflüsse auf ein Minimum zu reduzieren. Den Empfänger und den Strohalm befestigte ich an zwei Pfeiler. (Bild 12)

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Bild 12. Normale Lichtschranke inklusive Strohalm (oben), Reflexlichtschranken (unten)

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Bevor Betonwände der Unterführung, das Lackieren der Schienenseiten unmöglich machen, lackierte ich Schwellen und Schienenseiten. Nach dem Trocknen der Humbrol-Farben passte ich Betonwände aus 2mm Flugzeugsperrholz an und leimte sie mit Hilfe von Getränkeflaschen auf. (Bild 13)

Bild 13. Betonwände wurden mit Getränke- flaschen als Beschwerung aufgeleimt

 

Landschaftsform:

Nachdem alle Betonwände befestigt waren gestaltete ich den Landschaftsuntergrund. Als sauberste Methode erwies sich bei mir das Verfahren mit Pappe und Heißkleber. Die Pappe wird in kleine Mosaik-artige Schnipsel geschnitten und mit Heißkleber aufgeklebt, bis eine geschlossene Landschaftsdecke entsteht. (Bild 14 bis 16)

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Bild 14. Landschaftsgestaltung mit Pappe und Heißkleber. Von Osten

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Bild 15. Landschaftsgestaltung mit Pappe und Heißkleber. Von Süden

 

Bild 16. Man kann die Autobahn schon erahnen

Um die Fahrleitungen vorbildgetreu absenken zu können, mussten Masten mit tieferen Auslegern gefertigt werden. Da bei mir jeder Mast einen Erdungsdraht bekommt, musste ich sowieso schon jeden Mast bearbeiten. Da die Ausleger, vor Unterführungen gänzlich anders sind, als auf „normaler“ Strecke, begab ich mich ein weiteres mal zum Fotografieren zum Vorbild und baute die Ausleger vorbildgerecht nach. Anschließend wurden die Masten lackiert und mit Mastnummern und Pfeil für den nächsten Fernsprecher versehen. Danach bekamen sie noch leichte Roststellen.

Achszähler wurden in die ausgefrästen Schienenprofile eingebaut, die genau genommen nur Lichtschranken zur Erfassung der Spurkränze sind (kurz SKLS = Spurkranz-Lichtschranke).  Nach überprüfter Funktion wurden die bleibenden Zwischenräume mit Polystyrol Stück für Stück zugeklebt. Immer wieder wird die Funktion dabei überprüft, denn schnell kann ein Tropfen Klebstoff an der falschen Stelle die Lichtschranke lahmlegen.

Nun überspachtelte ich die Pappe dünn mit Moltofill.

Nach zwei Tagen Aushärtung bemalte ich die Spachtelmasse mit brauner Abtönfarbe, damit Rasenfreie stellen nicht weiß sondern Erdbraun aussehen. Dann bestrich ich die Betonwände mit verdünntem Leim und bestreute sie mit feinem Sand, um Rauputz darzustellen. Nach aufgetrocknetem Leim malte ich sie mit Humbrolfarbe über. Nach sechs Stunden Trockenzeit ergab sich schon ein gestalteter Eindruck. (Bild 17)

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Bild 17. Fertige Landschaftsform mit fertig- gestellten Masten

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Diesmal bekamen auch die Schienen entsprechende Erdungsleitungen, die aber kaum auffallen. (Bild 22) Hier ist darauf zu achten, das sie keinesfalls elektrische Verbindung mit den Masten haben dürfen, ganz anders als beim Vorbild, denn sonst würden hier die Schienenseiten über eingehängte Oberleitungen miteinander verbunden, was zu langen Fehlersuchen führen kann. (Bild 18)

Bild 22.  Masterdungen am Mast und an der Schiene

 

 

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Bild 19. Betonplatten als Fahrbahn  wurden  mit Getränkeflaschen aufgeklebt

 

Bild 18. Gealterte Oberleitungsmasten mit abgesenktem Ausleger

Die Autobahnbrücke sollte auch später noch durch Lösen von Holzschrauben abnehmbar ausgeführt werden, falls Fehler an den Lichtschranken auftreten.

Betonplatten aus lackiertem 1mm starken Polystyrol für die Fahrbahnen konnte ich deshalb nur auf dem festen Landschaftsteil links aufkleben. Um den Eindruck von Teerfugen zu bekommen malte ich den Fugenbereich, vor dem Kleben schwarz an. (Bild 19)

An jeder Brücke sind Fluchtwege und Wartungswege bzw. Treppen, die meist unscheinbar in der Landschaft verwittern, da sie nicht oder nur ganz selten benutzt werden. Diese Treppen waren für mich ein Muss. Ich verwendete fertige Treppen von Faller und schnitt sie in Streifen.

Am Rand, zur Betonwand hin, klebte ich Platten aus zugeschnittenen Polystyrolstreifen einzeln auf, um anschließend Kantsteine in gleicher Weise setzen zu können. Dann klebte ich die Fallertreppe auf, um anschließend diese wieder mit Kantsteinen zu umsäumen. (Bild 20)

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Bild 20. Wartungs- und Fluchttreppen aus Fallertreppen und Profilen

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Die Treppen wurden  in vierfacher Ausführung gebaut. Anschließend klebte ich den Kabelkanal von Erbert ohne Deckel auf und lackierte ihn und die Deckel. Anschließend bekamen die Deckel Fugen, die mit schwarzer Farbe im Fugenbereich grob bemalt und anschließend mit einem leicht mit Verdünnung versehenen Tuch abgewischt wurden. Nun klebte ich die Kanaldeckel auf. Anschließend bekamen die Achszähler bzw. die Spurkranzlichtschranken, die beim Vorbild verwendeten Gleistöpfe.

Bild 21. Verzogene Autobahntrasse, Kabelkanal und fertiggestellte Treppen

 

 

Probleme bereitete mir das Autobahntrassenbrett, das, stark verzogen, hässliche Spalten zwischen Betonwand und Brücke hinterließ und Licht durchschimmerte. Ein durch zurückbiegen mit Hilfe von Gewichten und anschließendes Befeuchten, halfen da nicht weiter. Später ersetzte ich das Pappelsperrholz durch angeblich gleich dickes Multiplexholz, was leider etwas dünner war und deshalb vorm Aufkleben der Betonplatten mit Polystyrolstreifen, unterfüttert werden mußte. (Bild 21)

Hiermit wird nun der erste Teil dieses Bauberichtes über das Indusimoduls beendet. Ich hoffe, dass ihnen das Lesen des Berichtes ein wenig Spaß gemacht hat und sie gespannt auf die Fortsetzung in wenigen Wochen warten werden. Dann berichte ich im zweiten Teil über die weiteren Baufortschritte und die Fertigstellung des ganzen Moduls.

 

© 2011 Heinz Weißig

 
Dieser Baubericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es wird keine Haftung für evtl. durch den Nachbau nach diesem Bericht  entstandene Schäden übernommen. Dieser Bericht und alle darin enthaltenen Fotos dürfen nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. Auch eine Weiterveröffentlichung auf privaten Internetseiten ist ohne meine ausdrückliche Zustimmung untersagt.