Kopfleiste-2017

Eine Brücke verändert ihr Gesicht

 

 

 

1987 wurde unsere MMV in Bremen Vegesack gegründet. Ich, als damaliger eingefleischter N-Bahner, wollte mich am Aufbau der geplanten H0-Modulbahn Anlage beteiligen. So entstand die Idee zu einem Brückenmodul mit einer Länge von 120 cm. Als N-Bahner sollte der Bau für mich der einzige Ausflug in die H0-Welt werden. Wie sich später jedoch herausstellte, kam es dann aber ganz anders. Von der Planung bis zur Umsetzung verging nicht viel Zeit und so entstand das inzwischen 25 Jahre alte Brückenmodul mit der Vereinsnummer 32. Seit dieser Zeit ist es bei internen Treffen und öffentlichen Ausstellungen stets mit dabei gewesen. Das Modul zählt mit seinen 25 Jahren zu den ältesten unserer Vereinigung und sollte zum 25 jährigen Bestehens der MMV einer grundlegenden Überholung unterzogen werden.

Eine Bestandsaufnahme des Zustandes des Moduls ergab folgendes Bild:

1.   Die farbliche Ausgestaltung ist verblichen.

2.   Das Wasser im Fluss (Gießharz) löst sich langsam vom Untergrund.

3.   Die Straße, welche damals aus selbstklebender, flexibler Pflasterfolie hergestellt wurde, hat sich komplett zu einer klebrigen Masse verwandelt. Das scheint eine Folge der Weichmacher in den Plastikwerkstoffen zu sein.

4.   Bei einem Beinhalter (für die Modulfüße) ist ein Haltegewinde restlos defekt.

5.   Durch die technische und gestalterische Weiterentwicklung im Modulbau ist heutzutage auch eine andere Gestaltungsweise angesagt. Man baut eben anders.

Nach reiflichen Überlegungen, wie nun eine Kernsanierung stattfinden könnte, kam ich zu dem Entschluss, dass ein kompletter Neubau notwendig würde. Der Charakter der Brücke musste dabei aber auf jeden Fall erhalten bleiben. Da das neue Modul zur Ausstellung im Februar 2012  fertig sein sollte, blieben genau drei Monate, den Plan in die Tat umzusetzen.

 

Letzte Bilder des alten Brückenmoduls

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Vorbei ist die Zeit , wo man zum Baden an den Fluss gehen konnte

Der erste Baum wurde bereits entfernt

Die vier Türme wurden von den Sockeln getrennt

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Das Ende des Zugbetriebes ist eindeutig erreicht

Die Stahlträgerbrücke wurde aus den Widerlagern gehoben

Der Rest einer 25 jährigen Geschichte, ein alter Brückenkopf

Als erstes wurde das alte Modul ausgeschlachtet. Übrig blieben nur noch die Stahlträgerbrücke, die vier Türme, einige Kleinteile und die Bäume. Die Ruine sah schon recht trostlos aus. Aber das sollte nicht lange so bleiben. In der Werkstatt entstand neben einem weiteren großen Projekt, von dem später noch einmal berichtet werden soll, ein neuer Holzkasten, der als Rohbau für die neue „alte“ Brücke dienen sollte. Die Arbeiten dazu gingen recht zügig voran. Die verschiedenen Bilder der unterschiedlichen Baustufen zeigen den Werdegang des neuen Moduls, weshalb auch auf eine genaue detaillierte Baubeschreibung verzichtet werden soll.

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Der Rohbau ist fertiggestellt

In den Ecken sind die Verstärkungen zu sehen

Mal sehen, ob die Brücke da hinein passt

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Der Holzausschnitt ist groß genug

Einer der Brückenköpfe im Rohbau

Die Gleistrassen werden befestigt

Nachdem der Holzrohbau fertiggestellt war, wurde das Modul mehrfach mit Farbe grundiert, damit die Feuchtigkeitsaufnahme auf ein Minimum reduziert werden konnte. Im Anschluss erfolgte der Ausschnitt für das Flussbett und die Straße. Die Strompfeiler der Brücke werden erst später eingepasst. In einem weiteren Bauschritt wurde dann die grobe Landschaftsgestaltung mit Styrodurplatten gebaut. Ich verwende dieses Material ausschließlich, da es im Gegensatz zum Styropur eine höhere Festigkeit aufweist und auch viel besser bearbeitet werden kann.  

So langsam kann man schon erahnen wie das neue Modul aussehen wird, aber es gibt noch viel zu tun.

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Schon kann man das Flussbett erahnen

Gut zu erkennen ist der weiße Anstrich im Inneren

Uferböschung auf der Straßenseite

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Eine der unzähligen Proben, ob auch alles passt

Die Uferböschung nimmt langsam Formen an

Einige Geländerteile müssen neu eingepasst werden

Die Gleise werden auf einer Sperrholztrasse mit Leim befestigt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich von den alten Dreileiter Märklingleisen auf Zweileitergleise von Roco umgestellt.

Nebenbei wurde auch die neue Straße gebaut. Da ich nicht wieder die mit Weichmachern behaftete Straßenfolie verwenden wollte, wählte ich eine Eigenbaumethode an. Zuerst wurde die Straßenform aus einer 6mm starken Wärmedämmplatte ausgeschnitten. Anschließend wurde jeder einzelne Stein des Kopfsteinpflasters mit einer Art Ausstechform (aus der Metallfassung eines Pinsels hergestellt) in die Platte eingedrückt. Zum Schluss muss der so entstandene Straßenbelag noch farblich behandelt werden, damit die Kopfsteinstrukturen hervorgehoben werden. Das Steingeländer zum Fluss hin entstand aus Heki Strukturplatten, welche ebenfalls farblich nachbehandelt wurden.

Die Brücke musste sich auch einer Veränderung unterziehen. Grund dafür waren die früher im Brückenbereich vorhandenen Mittelmasten für die Oberleitung. Sie wurden entfernt und neue Masten auf einem Gerüst aus Messingprofilen außerhalb der Brückenkonstruktion wieder befestigt. Die nun vorhandenen Löcher im Mittelbereich der Brücke  wurden mit Hilfe von Bauteilen aus einem weiteren Brückenbausatz wieder geschlossen. Zum Abschluss kam wieder die farbliche Nachbehandlung, so dass von dieser Umbaumaßnahme nichts mehr zu sehen ist.

Zur Elektrik ist nicht viel zu sagen, da sie sich bei einem einfachen zweigleisigen Modul auf sehr wenige Drähte beschränkt.

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Die ersten Schichten Leim und Farbe sind aufgebracht

Die Mauerwerke haben die Grundfarbe erhalten

Die Strompfeiler sind angefertigt........

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........ und am Flussgrund befestigt

Das Flußbett ist bereits farblich grundiert und mit Felsen ausgestattet

Auch der kleine Sandstrand wurde wieder angelegt

Die Grundbegrünung wurde mit einem Grasmaster Elektrostaten aufgebracht. Für die Einschotterung der Gleise kam der Diabas Schotter der Firma „koemo“  zum Einsatz. Für die Oberleitung verwendete ich wieder die altbewährte Sommerfeldt Oberleitung. Die Masten der neueren Generation weisen eine gute Detailierung auf und haben trotzdem noch eine ausreichende Stabilität. Nachdem die Masten mit der DB-Farbe alle neu lackiert waren, wurden sie von meinem Sohn mit den nötigen Mastschildern und Erdungskabeln weiter verfeinert. Nach dem Einbau, Verlöten und Lackieren der Fahrdrähte konnte auch dieser Bauabschnitt abgeschlossen werden.

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Mal wieder eine Stellprobe

Hier wird die Wirkung der neuen Bäume geprüft

Die Gleise sind verlegt und eingeschottert

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Für die Malerarbeiten fehlt noch das Gerüst

Die Masten und Fahrdrähte werden eingebaut

Blick hinab zur Straße

Nun mussten noch die 25 Jahre alten Bäume entlaubt werden, was sich jedoch als recht mühselig erwies. Auch diese Arbeit war aber nach einigen Stunden abgeschlossen. Die neue Belaubung erfolgte mit den heutzutage üblichen, sehr realistischen Materialien. Zum Abschluss der Baumaktion wurden diese wieder auf dem Modul platziert und festgeklebt.

Ein Problem waren nun noch die alten Brückentürme. Durch die Demontage vom alten Modul hatten sie doch einige Schäden im unteren Bereich davongetragen. Deshalb entschied ich mich, einen vier Zentimeter breiten Bereich unten abzuschneiden und neu herzustellen. Nachdem auch diese Arbeit erledigt war, kamen sie wieder auf ihre neuen „alten“ Fundamente der Brückenkonstruktion.

Das abschließende Finish aus der Airbrushpistole sorgt dafür, dass die Farbübergänge auf dem Modul nicht zu hart ausfallen.

Jetzt fehlt nur noch das Wasser im Fluss. Es gibt verschiedene Methoden zur Wasserherstellung auf Modellbahnanlagen. Ich habe mich wieder für die Gießharzmethode entschieden. Bei dieser doch sehr geruchsintensiven Arbeit muss unbedingt auf eine gute Raumbelüftung geachtet werden. Das Gießharz wurde in drei Schichten in das Flussbett eingebracht, nachdem zuvor mit richtigem Wasser die genaue Gießharzmenge ermittelt wurde. Zum Abschluss bekommen noch einige Kleinteile, wie Werbetafeln, Begrenzungspfähle und Figuren wieder ihren Platz auf dem Modul.

Nach drei  Monaten konnten die Arbeiten noch rechtzeitig vor dem Jubiläum zum Abschluss gebracht werden. Doch schauen sie sich doch einfach dieses und viele andere liebevoll gestaltete Module auf unserer Jubiläumsausstellung selber an.

Zum Abschluss noch einige Bilder vom fertigen Brückenmodul, mit der schlichten internen Betriebsnummer 32.

 

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Ein erstes Bad im klaren Flusswasser

Blick durch den Brückenbogen

Der fertige Brückenkopf

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Ganz schön riskant, was der Mopedfahrer da so macht

Detailansicht eines verfeinerten Oberleitungsmastes          

Der Blick von unten nach oben .......

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und in umgekehrter Richtung

Draufsicht auf die Brücke

Nach getaner Arbeit hat man sich eine Pause verdient

©2012 Joachim Kühlinger

 

 

Dieser Baubericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es wird keine Haftung für evtl. durch den Nachbau nach diesem Bericht  entstandene Schäden übernommen. Dieser Bericht und alle darin enthaltenen Fotos dürfen nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. Auch eine Weiterveröffentlichung auf privaten Internetseiten ist ohne meine ausdrückliche Zustimmung untersagt.