Kopfleiste-2017
 
Die Softwaresteuerung

Man  kann darüber sinnieren, ob es unbedingt notwendig ist, eine eingleisige elektrifizierte Strecke mit einer Modellbahnsteuerungssoftware zu betreiben.  Sicherlich reichen zwei Drähte und ein Trafo aus, um einen Zug zu fahren. Genauso können die relativ wenigen Weichen von Hand geschaltet werden. Aber die Erfahrungen mit der computergesteuerten Heimanlage und deren vielfältigen Fahr- und Sicherungsmöglichkeiten, sowie die seit Jahren bewährte Steuerung des Modulbahnhofs „Kühlheim“ in der MMV ließen nach kurzen Überlegungen nur einen Entschluss zu. Der Kollege Computer sollte beim Spiel mit der Modelleisenbahn wieder dabei sein.

Bei uns in der MMV wird analog gefahren. Das bringt einige besondere Herausforderungen mit sich, da die MMV-Nebenstrecke ausschließlich digital betrieben werden soll. Die auf dieser digitalen Strecke verkehrenden Züge müssen aber auch im analogen Bereich der Hauptbahn fahren können. Doch dazu später mehr.

Beginnen will ich mit einem kleinen nicht wertenden Vergleich zwischen einigen am Markt vorhandenen Softwaresteuerungen. Um es gleich Vorweg zu nehmen, es gibt natürlich noch viel mehr Produkte, als die drei erwähnten.

In die engere Auswahl kamen für mich nur Railware, WinDigipet und der TrainController.

Railware ist eine optisch ansprechende Software, die sich relativ einfach programmieren lässt. Leider sind händische Eingriffe nach erfolgter Konfiguration nicht erwünscht. Das Programm arbeitet vollautomatisch und selbständig. Für wechselnde Aufbauten von Modulanlagen ist die Software schlicht ungeeignet. Außerdem wollen wir auch händisch fahren, was Railware aber gar nicht mag.

Bei WinDigipet fehlt mir die Erfahrung, um diese näher beurteilen zu können. Auch im Bekanntenkreis gibt es keine Personen mit weitreichenden Erfahrungen.

Was bleibt, ist der Traincontroller von der Firma Freiwald. Dieses Produkt ist in der Gold-Version ein mächtiges Werkzeug,  mit schier unbegrenzten Möglichkeiten an Steuerungsvarianten für eine Modellbahn. Ein ausgezeichneter Support von Herrn Freiwald spricht für eine hundertprozentige Identifizierung des Herstellers mit seinem Produkt. Durch die Erfahrungen mit dem Einsatz auf der Heimanlage, viel die Entscheidung nicht sonderlich schwer. Außerdem verrichtet die Software auf unserem Modulbahnhof    „Kühlheim“ klaglos seit Jahren ihren Dienst. Bei der neuen MMV-Nebenstrecke kommt neben der Steuerung nun noch der digitale Fahrbetrieb hinzu.

Der einfache Teil ist die Steuerung der Weichen, Signale und Fahrstraßen. Schnell ist der Gleisplan auf dem Laptop gezeichnet. Nachdem die Adressen der Magnetartikel eingegeben und die möglichen Fahrstraßen einprogrammiert sind, können auch schon die ersten Tests beginnen. Nein, ganz so schnell geht es doch nicht. Es müssen schon diverse weitere Dinge vorbereitet werden. Da wären z.B. der Rechner, welcher mit der Steuerzentrale, in unserem Fall ist es die TAMS EasyControl,  verbunden werden muss. Diese benötigt die Verbindung über einen Booster (Verstärker) zur Anlage, damit die Züge die entsprechende Stromversorgung, sowie die Datensignale erhalten.

Durch den Einsatz des TrainControllers wird es möglich sein, einen automatischen Zugbetrieb ablaufen zu lassen. Später soll auf jeden Fall der noch zu bauende Schattenbahnhof auf diese Weise vollautomatisch gesteuert und gefahren werden. Des Weiteren bietet die Software die Möglichkeit, händisch in die Computersteuerung einzugreifen, um z.B. Züge aus dem Automatikbetrieb herausnehmen zu können. Anschließend kann dann mit dem Handregler manuell weiter gefahren werden. Wenn man als Lokführer jetzt die Verantwortung  für den Zug  übernommen hat, müssen natürlich zwingend die Signalstellungen beachtet werden, um Unfälle zu verhindern.

Wenn nun der Fahrbetrieb auf Zugführer und Fahrdienstleiter aufgeteilt wird, kommt eine besondere Möglichkeit der Software zum tragen. Stellt nämlich der Fahrdienstleiter eine Fahrstraße, so kann der Lokführer seinen Zug bei HP1 (grün) anzeigendem Signal  abfahren. Am Ende der Fahrstraße, wo natürlich auch ein Signal stehen muss, bringt der Lokführer seinen Zug selber wieder vor dem HP0 (rot) anzeigenden Signal zum Stehen. Sollte er dies aber vergessen, so greift die Software ein und vollzieht einen Zwangshalt. Der Zug kommt doch noch, trotz Versagens des Lokführers, vor dem roten Signal zum Stillstand.

Genauso verhält es sich, wenn eine Rangierfahrt in ein Abstellgleis gestellt wird. Im Regelfall sollte die Lok, oder der Zug rechtzeitig vor dem Prellbock angehalten werden. Auch in diesem Fall greift die Software ein und vollzieht einen Nothalt, um den Prellbock zu schonen.

Ein weiteres Beispiel ist die fast automatische Übergabe eines Zuges aus dem Digital- in den Analogbetrieb und umgekehrt. In unserem Fall soll ein Zug im Bereich des Bahnhofs „Kühlheim“ vom digitalen in den analogen Bereich wechseln. Durch das HP0 (rot) zeigende Einfahrtsignal von „Kühlheim“  wird der ankommende Zug automatisch angehalten. Durch die vorhandene Zugverfolgung im Digitalbetrieb ist der Software natürlich genau bekannt, wo sich der Zug gerade befindet. Hält er nun vor dem Signal an, erhält er am Ende der Fahrt die Fahrstufe 0. Der TrainController weiß nun, dass er den Zug aus dem Gleisbild entfernen muss und den Fahrstrom von der Digitalversorgung auf die Gleichstromversorgung umschalten soll. Ist das geschehen, kann der Zug in den Bahnhof einfahren. Voraussetzung  ist aber, dass das Einfahrtsignal auf grün gestellt wird und der Zug mit dem analogen Fahrtregler abgeholt wird.

Der umgekehrte Weg ist etwas anders. Hier fährt der Zug erst in den Übergabeblock analog hinein und hält an. Jetzt muss  der Zug im Gleisbild auf dem Bildschirm wieder eingetragen werden. Im Anschluss kann die Fahrt dann nach erneuter Umschaltung auf den Digitalbetrieb weitergehen. Im digitalen Bereich der Anlage ist der Zug nun wieder unter Kontrolle der automatischen Zugverfolgung.

Warum nun dieser Umstand? Warum wird nicht die gesamte Anlage im Verein digital gefahren? Dann könnte man sich solche umständlichen Lösungen doch sparen, zumal es immer mehr Vereine gibt, die konsequent auf den Digitalbetrieb umstellen.

Die Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach. Weil es bei uns in der MMV nun mal so ist. Geschichtlich gesehen, haben wir von Beginn an die Möglichkeit mit Gleich- und Wechselstrom zu fahren. Abwechselnd findet also immer ein Wechselstrom- und ein Gleichstromtreffen statt, wo das eine Mal alle Märklinisten mit ihrem Rollmaterial zum Zuge kommen und das andere Mal die Gleichstrombahner ihre Züge fahren lassen können. Bei diesen Gleichstromtreffen haben wir nun die Möglichkeit, die eingleisige digitale Strecke mit all ihren Vorteilen einzugliedern.

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, bei denen der Computer,  mit Hilfe einer Modellbahnsteuerungssoftware uns hilfreich unterstützen kann. In diesem Bericht sollten nur einige Möglichkeiten beispielhaft aufgezeigt werden.

 

J.Kühlinger 08.2014