Kopfleiste-2017

Der Selbstbau einer Platane

 

 

Solitäre oder alleine stehende Bäume sind ein Blickfang auf jeder Modellbahnanlage. Darum lohnt sich auf jeden Fall der Aufwand der eigenen Herstellung. Darüber hinaus wird jeder Baum zu einem Unikat.

Vor Beginn unserer Bastelarbeit sollten wir uns Gedanken über den Platz, an dem der Baum stehen soll und die Art des Baumes machen. Weiter muss im Vorfeld geklärt werden, ob der geplante Baum in der Realität dort auch so stehen könnte.

Im vorliegenden Fall soll auf dem Bahnhofsvorplatz eine Platane "gepflanzt" werden. Ein solcher Baum  schmückt den Bahnhofsvorplatz des Wiesbadener Hauptbahnhofes.

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Bei diesem belaubten Exemplar ist die Struktur der Äste nicht zu erkennen. Hilfreich war mir bei der Planung und Herstellung das Bild eines unbelaubten Baumes, welcher die Struktur der Äste erkennen ließ. Dieses Bild fand ich bei Wikipedia.

Nach ausführlicher Betrachtung der Bilder entsteht bei mir im Kopf das Bild des zu gestaltenden Baumes. Nach diesen Überlegungen ging es daran, das Material zu besorgen.

Benötigt werden dazu:

Kupferdraht 0,2 mm

Platanenlaub von “miniNatur”

Kupferdraht 2,0 mm

Klebstoff (z.B. Alleskleber von TESA)

ausreichend Lot

Weißleim

und entsprechende Farben

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Kupferdraht 0,2mm

Platanenlaub (Mini-Natur)

Dann geht es ans Werk. Zunächst nimmt man zwei Kupferdrähte (0,2 mm) und verdrillt diese. Dabei ist darauf zu achten, dass am Ende ein “Y” entsteht, an dem sich das Beflockungsmaterial gut festhalten kann.

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Nachdem man auf diese Weise viele verdrillte Drähte hergestellt hat, werden wieder zwei Drähte miteinander verdrillt. Dabei ist darauf zu achten, dass diese Drähte nicht ganz bis zum Ende verdrillt werden. Nun werden zwei dieser inzwischen auf vier angewachsenen Drähte wieder miteinander verbunden. Auf diese Weise werden die Ästchen immer dicker, bis wir einen ausreichend dicken Ast haben.

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Wenn uns die Dicke des Astes zusagt, können wir ihn vorerst zur Seite legen, wenn nicht, wird er noch etwas zunehmen müssen.

Jetzt machen wir uns an die Produktion des nächsten Astes (also wieder 2 Drähte 0,2mm + 2 verdrillte Drähte + 4 Drähte, 16 Drähte usw. bis wir wieder einen ausreichend dicken Ast haben).

Dabei sollten wir aber nicht vergessen, schön in der Länge der Äste zu variieren, denn in der Natur gibt es keine Norm.

Am Ende haben wir 5 ausreichend dicke Äste produziert, welche nun zum Baumrohling zusammengebaut werden können.

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Manchem werden diese Bäumchen in der Stärke schon genügen. Ich wollte jedoch einen Stamm mit ordentlichem Durchmesser.

Also werden diese Äste wieder miteinander verdrillt. Vor dem Verdrillen wird noch ein Haltedraht unten in den Stamm mit eingebunden.

Der Haltedraht besteht aus 2,0 mm Kupferdraht (NYM),  welcher aus Kabelresten der Elektroinstallation verdrillt wurde.

Nach diesem Arbeitsschritt werden diese wiederum mit einem  0,2 mm Kupferdraht fixiert.

Nun werden die Äste von unten beginnend mit Lot verzinnt. Das Verzinnen des Stammes gelingt am besten mit einem Gasbrenner (ein Lötkolben entwickelt nicht genug Hitze, um das Lot in die Zwischenräume zwischen die dicken Äste fließen zu lassen) --> Flussmittel nicht vergessen!  Zum Verzinnen der dünneren Äste ist ein Lötkolben jedoch vollkommen ausreichend. Jetzt, nachdem der Baum vollständig verzinnt wurde, besitzt er die erforderliche Stabilität.

Im Anschluss an das Verzinnen des Baumes wird mit dem Dremel und einer feinen Trennscheibe die Unterseite des Stammes plan geschliffen. Aber bitte aufpassen, damit nicht aus Versehen der Haltedraht mit abgeschnitten wird!

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Im Anschluss an das Versäubern  wird nun der ganze Baum mit Weißleim eingestrichen. Dieses Einstreichen mit  Weißleim dient zum einen dazu, die verbliebenen kleinen Poren zu schließen.

Zum anderen kann die Rindenstruktur des Baumes (z.B. durch Zugabe von Sägemehl zum  Weißleim) sehr gut imitiert werden.

Da die Platane eine sehr glatte Borke hat, ist die Zugabe von Sägemehl in unserem Fall nicht notwendig, im Gegenteil, sie würde eher stören. Nun wird der Baumrohling farblich behandelt und mit einer umbra- /okkerbraunen  Farbmischung eingestrichen.

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Der Anstrich kann selbstverständlich auch mit der Airbrush durchgeführt werden.  Anschließend habe ich die Tiefenwirkung des Rohlings mit einer "Alterungsbrühe" noch etwas verbessert.

Nach der Fertigstellung des Rohlings wird dieser jetzt begrünt. Dazu nehmen wir die Belaubungsmatte von Mini-Natur zur Hand und schneiden von dieser einen ca. 2 cm breiten Streifen ab. Von diesem Streifen schneiden wir wiederum kleine dreieckige (Fingernagelgroße) Stücke ab und kleben diese mit Alleskleber auf die Y - förmigen Enden der Ästchen. Nach dem Bekleben mehrerer  Ästchen bekommen wir schon einen Eindruck vom Erscheinungsbild des Baumes.

                   Halb belaubt macht unser Baum schon eine recht gute Figur.                                                               Rohmaterial von miniNatur

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Der Baum ist jetzt vollkommen belaubt und bereit, an seinem endgültigen Standort eingepflanzt zu werden.

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Nachdem der Platz entsprechend vorbereitet ist...

 ...kann der fertige Baum gesetzt werden.

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Wenn die Perspektive stimmt, ist das fertige Modell kaum noch von der Realität zu unterscheiden. Unsere kleine Bastelei ist damit zu Ende.

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©2015 Dr. Albrecht Oehmchen

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