Kopfleiste-2017

Einführung

Als der FernExpress (FD) „Königssee“ 1989 vom älteren Wagenmaterial (Bpmz291, Bm235, Avmz und WRtm mit Kinderland bzw. später Bpmz291 mit Kinderland) auf druckdichte Wagen (Bpmz293.2, Bvmz185, Avmz107 und WRmz137) umgestellt wurde, wollte man die beiden vorhanden Kinderland-Wagen auf Basis der ozeanblau/beigen Bpmz291 nicht mehr weiterverwenden, da sie nicht druckertüchtigt waren. Um das zu erreichen baute man die Spielabteile aus den alten Wagen aus und in zwei druckdichte Bpmz wieder ein. Da ich den FD „Königssee“ in der Zeit (1989-1991) darstellen möchte, in der er mit druckdichten Wagen gefahren ist, musste auch der Kinderlandwagen in den Zug. In Frage kommen natürlich nur Wagen im Maßstab 1:87. Nachdem die Wagen von Roco zusammengesucht waren (Kinderland gab es nicht), ging es an die Überlegungen, wie sich der Wagen realisieren ließ. Die erste Idee war, den eher rudimentär und zudem noch falsch nachgebildeten Inneneinsatz des Fleischmannwagens zu verwenden, in den Roco-Wagen zu verpflanzen und zu supern. Allerdings war schnell klar, dass das nichts werden würde und wenn, dann nur mit indiskutabel hohem Aufwand. Also habe ich einen normalen fernblauen Bpmz von Roco genommen und auf dessen Basis den Kinderland-Wagen selbst gebaut. Beim Vorbild wurde es schließlich genauso gemacht, also muss das im Modell auch funktionieren…

Äußerliches

 

Nach der Demontage legen wir das Dach beiseite (eines der wenigen Teile, die unbearbeitet bleiben) und widmen uns dem Wagenkasten. Üblicherweise lagen den Roco-IC und FD-Wagen immer Zuglaufschilder als Nassschiebebilder bei, darunter auch zwei Stück vom FD Königssee. Die Schilder werden also in ihre Behausung am Wagenkasten befördert. Damit sie sich nicht nach einer Zeit wieder ablösen, werden sie nach dem Trocknen mit Klarlack überlackiert. Die Gummidichtung des Schilderkastens wird mit einem schwarzen Faserstift nachgezogen.

01 Demontage

An den Wagenenden sollte man die Unterseiten der Türbereiche schwarz nachlackieren. Dabei sollten auch die Schrägen zum Drehgestell und zum Wagenübergang, sowie die Rückseiten lackiert werden, da sie in unbearbeitetem Zustand weiß und somit sehr auffällig sind. Ein kleines Stück höher befinden sich die Schlusslichter, deren Alueinfassung zwar angraviert, aber nicht farblich abgesetzt ist. Man sollte sich hier nicht mit Pinsel und silberner Farbe rumquälen, dafür gibt’s schließlich silberne Eddings…

Ein sehr schönes Betätigungsfeld stellen die Wagenübergänge dar, hat Roco an Details doch so ziemlich alles weggelassen, was die Sache erst interessant macht. Aus Kunststoffprofilen werden Türöffner und Steckdosen zurechtgeschnitten, die Fenstereinfassungen der Übergangstüren werden mit dem Edding silbern lackiert (Fenstereinsätze ausbauen!) und die Gummidichtung der Türen wird schwarz gepinselt. Die Übergangsbrücke wird innen mit Revell 35 „sandbeige“ gestrichen. Übrig gebliebene Griffstangen von Roco-Bpmz eignen sich hervorragend, um mit ihnen die Haltegriffe im Übergang darzustellen. Bei den Steckdosen orientiert man sich in Größe, Form und Position wieder an Vorbildern, das hängende Kabel wird aus 0,3mm-Draht in Form gebracht und schwarz lackiert.

Ein besonders auffälliges Merkmal ist natürlich der Kinderlandschriftzug. Dieser ist im Beschriftungssatz 6996.1 von Kreye enthalten. Zusätzlich zu den Schriftzügen sind passende Wagennummern für die zwei verschiedenen Kinderlandwagen sowie für weitere Avmz, Bvmz und Bpmz  des Königssee dabei. Jetzt entscheidet sich auch, welchen der beiden Kinderland-Wagen man nachbaut. Es liegen beide Wagennummern bei (61 80 20-94 329 und 61 80 20-94 330). Ich habe mich für den Wagen mit Lego-Spieltischen entschieden, also Letzteren. 

Bild 015

Innenraum

Bevor es an die Entrümpelung der Inneneinrichtung geht, werden die Fenstereinsätze von innen gestrichen. Man kann auch die Wände des Wagenkastens streichen, allerdings werden die Farben dann durch die darüber liegenden (getönten) Fensterbänder verfälscht. Ich habe also die Einsätze in zeitgenössischem gelb (Revell 31115) eingefärbt. Für den klaren Durchblick sollte man dies vorsichtig machen, damit an den Fensterkanten keine Farbe auf selbige läuft. Beim Vorbild befinden sich mittig zwischen zwei Fenstern jeweils die Fugen der Wandverkleidungselemente. Diese werden mit einem dünnen, schwarzen Edding aufgemalt. Die Innenseiten der Türen werden reinorange gestrichen. Die Toilettenfenster erhalten einen Sichtschutz aus Revell 59 aufgetragen, das Ergebnis kommt der beim Vorbild hellgrau-grünlichen Tönung recht nahe.

Für den Nachbau des Kinderlandes wurde das Raucherabteil „geopfert“. Das ist nicht nur vorbildgerecht, sondern auch von Roco räumlich richtig wiedergegeben. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass der komplette Fahrgastraum nicht nur von evtl. vorhandenen Preiserlein geräumt werden muss. Sämtliche Zwischenwände und Sitzgruppen werden rausgeschnitten bzw. ausgebaut, im Kinderland werden auch die Plastikknubbel, auf denen die Sitze aufgesteckt waren, entfernt.

Im späteren Spielabteil muss eine absolut plane Oberfläche entstehen. Die Leiste, die im Gang die gelben Verbindungsstreben der Sitze abdeckt, muss ebenfalls raus, sollte allerdings gut aufbewahrt werden, sie wird später für den weiteren Innenausbau ein geschätztes Rohmaterial werden. Die Halter der Stirnverglasung in den Vorräumen werden ersatzlos entfernt. Ist das alles gemacht, kann es an den Boden des Fahrgastraumes gehen. Die flache Vertiefung im Gang kann man mit zwei genau zurechtgeschnittenen Streifen aus Plastikfolie auffüllen. Um im Kinderland eine plane Fläche zu erhalten, wird möglichst dünne aber stabile Plastikfolie auf diesen Bereich geklebt (siehe Bild unten). Die entstandene Kante zum Sitzabteil muss verschliffen werden, bis ein glatter Übergang entstanden ist. Das ist wichtig, da in diesem Bereich später die Glastrennwände eingebaut werden.

04 Innen leer

05 Zwischenstand

05 Vorraum

Angesichts der Tatsache, dass in den Vorräumen und um die Innentüren diverse Aluprofile verbaut sind, habe ich mich dazu entschieden, die Vorräume erst komplett in silber zu lackieren und für die weiteren Farben einfach die Bereiche, die silber bleiben sollen, abzukleben. Einen Zwischenstand zeigt das Bild zu Verdeutlichung. Das ist einfacher, als später die silbernen Bereiche zu pinseln, da silberne Farbe aufgrund ihrer Konsistenz gerne mal dorthin läuft, wo sie eigentlich nicht hin soll. Für die Vorräume wurde ebenfalls das Gelb verwendet, mit dem auch schon die Fenstereinsätze gepinselt wurden. Die Stirnwände des Fahrgastraumes werden in „lederbraun“ (Revell 31184) gestrichen. Für den Boden im Sitzbereich habe ich ein dunkles grau genommen, der Teppichboden im Kinderland ist in braun gehalten, wobei mein Farbton etwas zu kräftig geraten ist. Etwas heller und schmuddeliger wäre wohl besser gewesen.

Ist alles farblich gestaltet, geht es ans Mobiliar. Die über eine Strebe verbundenen 2er-Sitze müssen voneinander getrennt werden, da die Vertiefung im Gang verschlossen wurde und nur noch an den Sitzstützen kleine Löcher vorhanden sind. Die Sitze an sich werden in Revell 31115 lackiert. Es ist Geschmackssache, ob man diesen Lackiergang macht oder nicht. Wenn man ihn nicht macht, hat man weiterhin den Plastikglanz der Originalteile, der wiederum den speckig glänzenden Lederpolstern des Originals nahe kommen. Was ich bei den nächsten Wagen mache, habe ich noch nicht entschieden, diesmal habe ich aber mal alle Sitze in matt lackiert. Unabhängig davon müssen Sitzstützen, Rückseite bis auf die Höhe der Kopfstützen und die Armlehnen in Lederbraun lackiert werden. Die Sitzflächen und –lehnen werden in hellem grün gepinselt. Komplett neu gebaut müssen werden die Tische. Ein Grundriss des Wagens hilft beim richtigen Platzieren der 4er-Sitzgruppen mit Tischen. Die Tische entstehen aus der Leiste, die im Mittelgang verbaut war, als Stützen werden kleine Plastikstücke auf den äußeren Absatz geklebt. Aus feinem Draht wird das Metallrohr nachempfunden. Außerdem habe ich im Innenraum noch die Gepäckablagen, die Verglasung der Fahrgastraumtüren sowie deren Türgriffe eingebaut. 

05 Innenraum

Die Glastrennwände müssten eigentlich leicht bräunlich getönt sein. Nach monatelanger erfolgloser Suche nach eine geeigneten Plastikfolie ist es dann doch klare Folie geworden. Die Metallfassungen der Scheiben am unteren Ende werden mit der Spiegelfolie von RHS dargestellt. Selbige findet auch in den Vorräumen Anwendung für Toilettentüren, Schaltschrankdetails und Türgriffe. Im Vorraum sollten auch das Zuglaufschild und das Wagennummernschild angebracht werden. Für beide Schilder sucht man sich Bilder aus dem Internet und zeichnet sie mit einem Zeichenprogramm nach. Der Aufwand lohnt sich, denn später wird man durch das Türfenster nicht nur das Zuglaufschild sehen, sondern auch erkennen können, dass man gerade in Wagen 66 des FD Königssee guckt…

06 Vorraum

Die Spielgeräte im Kinderland-Abteil entstehen aus Kunststoffprofilen, -platten und Draht. Da es damals leider niemand für nötig gehalten hat, die Dinger genauestens zu vermessen und Bilder eher rar sind, bleibt nur der Freestyle-Nachbau nach den wenigen vorhandenen Fotos. Anhand umliegender Details wie Fenster, Stirnwände usw. kann man die Größenverhältnisse gut abschätzen. Die Rutsche wurde aus 0,75x0,75 mm Evergreen-Profilen zusammengebaut. Ich habe mir Mühe gegeben, keine Verstrebung auszulassen, sonst hätte es auch das plumpe Plastikgebilde aus dem Fleischmannwagen getan.

07 Kila a

Fahrwerk und Bodengruppe

Auch beim Fahrwerk bedarf es einer Überarbeitung. Eine Lackierung in RAL 8019 (seidenmatt) lässt den Plastikglanz der Drehgestelle verschwinden und betont die scharfen Gravuren. Da die Roco-Radsätze nach dem Lackieren ja sowieso schon ausgebaut sind, nehmen wesentlich schönere RP25-Pendants ihren Platz ein. Vor dem Einbau sollten sie allerdings mit dem Postermann-Stift von RHS mattschwarz eingefärbt werden. Ohne großen Aufwand sehen die Drehgestelle nun wesentlich besser aus.

Da Roco es sich einfach gemacht hat und für den Bpmz einfach die Bodengruppe des Avmz benutzt hat, befinden sich am Ende der Seitenschürzen die Widerlager der Schlingerdämpfer, die der Avmz besitzt. Für den Bpmz stimmen sie nicht und müssen daher sauber abgetrennt werden.

Bild 008

Unter den Wagenenden befinden sich die Abwassertanks der WCs. Zumindest beim Vorbild, denn am Modell fehlen sie gänzlich. Also ist hier Selbstbau aus Polystyrolplatten angesagt. Die Abmessungen der Tanks lasen sich relativ gut anhand von Bildern (-> railfaneurope.net) rekonstruieren, da es genug umliegende Teile gibt (Trittstufen) an denen man sich orientieren kann. Je nach verwendetem Material sollte man noch darauf achten, dass man die Oberfläche evtl. noch anschleifen sollte, damit die Farbe besser hält. Lackiert wird natürlich wieder in RAL 8019. Soll der Wagen kein reines Vitrinenmodell werden, ist es ratsam entsprechende Aussparungen für die Kupplungskinematik vorzusehen. Ansonsten: Raus mit der vorbildwidrigen Kupplungsdeichsel und viel Spaß mit Weinert-Artikel 8632 „Abgefederte, funktionstüchtige Nachbildung der Originalkupplung“. 

Somit ist der interessanteste und zugleich aufwändigste Wagen des Königssee fertig. Fehlen eigentlich nur noch die restlichen neun (bzw. 12 Wagen, je nach Darstellungszeitpunkt)…

Bild 028

Bild 015

Bild 032

Bild 024

Teileliste:

Farben:

Revell 59 pistazienfarben hell

Revell 35 „sandbeige“

Revell 31115 „gelb“

Revell 31184 „lederbraun“

Revell 31178 „panzergrau“

Revell 31199 „aluminium“

Humbrol 131 grün (Sitzbezüge)

Weinert 2644 RAL 8019 „graubraun“

 

RHS:

RHS 38771001 Spiegelfolie

RHS 38805001 Posterman-Stift

Sonstiges Material:

Beschriftungssatz FD Königssee von Kreye Nr. 6996.1

2x Weinert 9742 RP25-Radsätze

Diverse Polystyrolprofile und Platten (Evergreen)

Klare Plastikfolie

Draht (0,2-0,3 mm)

Griffstangen von Roco Bpmz291

Möglichst viele Bilder vom Vorbild

Gut gefüllte Restekiste (z.B. für Innentürverglasung)

 

 

 

 

 

 

 

©2009 A.Kühlinger

 
Roco® ist ein eingetragenes Warenzeichen der Modelleisenbahn GmbH.Dieser Umbaubericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es wird keine Haftung für evtl. durch den Nachbau nach diesem Bericht entstandene Schäden übernommen. Dieser Bericht und alle darin enthaltenen Fotos dürfen nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. Auch eine Weiterveröffentlichung auf privaten Internetseiten ist ohne meine ausdrückliche Zustimmung untersagt.