Kopfleiste-2017
Der eingleisige Abzweig nach “Neulingen”

Teil 1

Eigentlich sollten schon einige der angekündigten Berichte über die eingleisige Nebenbahnstrecke der MMV fertig sein. Aber meistens kommt es anders als man denkt. So auch im aktuellen Fall. Auf der  Agenda stand ganz oben ein Abzweig von der analogen zweigleisigen MMV-Strecke hin  zur digital betriebenen Nebenstrecke. Auf diese Weise soll ein gesicherter Betrieb mit der Hauptstrecke der MMV- Modulanlage möglich werden.  Außerdem möchten wir eine sinnvolle Verknüpfung zwischen der digitalen und analogen Modellbahnwelt herstellen.

Das klingt alles recht einfach. Sind es doch lediglich ein paar Weichen und Signale, die es zu verbauen gibt. Aber fangen wir  der Reihe nach an.

Auch dieser Bericht wird sich nicht vorrangig mit der Beschreibung von Baudetails auseinandersetzen. Vielmehr will ich die allgemeinen Ideen, Probleme und deren Lösungen beschreiben.

Zuerst waren die Überlegungen, wie der Abzweig aussehen sollte. Da die Gedanken frei sind, war schnell die Idee geboren, dass der Abzweig  großzügig und natürlich auch zweigleisig werden sollte. Bei der Detailplanung wurde uns aber schnell die Größenordnung bewusst, auf die wir uns da hätten einlassen müssen. Zumal die Weichenverbindung mit den schlanken Weichen von Weinert auch eine beachtliche Länge aufweisen. Nachdem uns die Realität nach diversen Planspielen  wieder eingeholt hatte, entschieden wir uns für den Bau eines eingleisigen Abzweiges aus der Hauptstrecke des Vereins. Auf diese Weise versuchen wir auch, unseren Oberplaner Rüdiger versöhnlich zu stimmen, denn er ist derjenige, der bei  Aufbauplanungen für Ausstellungen immer dafür sorgen muss, dass alle Module sinnvoll untergebracht werden können.

Auf einer Gesamtfläche von 3,1 qm soll das Projekt verwirklicht werden. In der Hauptstrecke befinden sich drei Meter  Strecke aufgeteilt auf vier Module. Im Abzweig, der im 45° Winkel von der Hauptstrecke abzweigt, noch einmal drei Module mit einer Länge von 3 Metern. In der Hauptstrecke sind rechts und links jeweils zwei 50 cm lange Übergangsmodule. Auf diesen wird die Modulbreite von 50 auf 60 cm erweitert und so auf die Norm der Nebenstrecke gebracht. Außerdem wird bedingt durch die Bauform, die Gleislage von der MMV-Norm auf eine mittige Lage verschoben.

Abzw-01

In der Zeichnung oben sind die zwei verschiedenen Aufbauvarianten zu sehen.

Die Gleise müssen auf diese Weise nicht verschwenkt werden. Auf den beiden mittleren Modulen liegen die Gleise genau mittig, was den Vorteil hat, dass der Abzweig auch um 180° gedreht werden kann. Somit kann wahlweise ein Aufbau mit Abzweig nach Norden oder nach Süden erfolgen.

Die Weichenverbindung und die Abzweigweiche passen genau auf ein Modul. Durch die Verwendung der neuen 6,3° Weichen von der Firma Weinert ergibt sich eine optisch sehr schlanke und harmonisch wirkende Gleisverbindung. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die neuen Schienenverbinder  des  Herstellers. Optisch sichtbare Gleisverbindungen gehören ab jetzt der Vergangenheit an.

Beim Gleisschotter bleiben wir der Firma Koemo treu. Er wurde  zu je 50% vom Typ DD und R20 zusammengemischt.  Der Vorteil von diesem Material ist, dass es sich beim Verkleben mit dem bekannten Weißleim/Wassergemisch nicht verfärbt. Nach dem Trocknen erfolgt mit der Airbrush noch eine leichte farbliche Nachbehandlung mit einem Rostton.

Abzw-04
Abzw-05

Die Weichen werden verlegt und ausgerichtet                                                                                          Nach dem Einschottern sieht die Gleisverbindung schon recht ordentlich aus

Abzw-02
Abzw-18

Der erste Zusammenbau von zwei Gleisenden mit den neuen Schienenverbindern von Weinert                     ... und so sieht es aus, wenn das Gleis geschottert und farblich nachbehandelt wurde

 

Zur landschaftlichen Gestaltung kann man folgendes sagen. Die Weichenverbindung wird von einer Straßenbrücke überspannt, welche über einen Damm geführt wird. Im weiteren Verlauf der Strecke kommt ein kleines Stellwerk von der Firma Artitec, in dem das Bahnpersonal für einen sicheren Betriebsablauf sorgen soll. Die Streckensicherung erfolgt über die bekannten Signale von Viessmann, bei denen die Antriebe alle durch Servos ersetzt wurden. Die Weichen werden ebenfalls mit Servos angetrieben. Folgt man dem Verlauf der Nebenstrecke, so kommt zunächst auf der rechten Seite eine zur Zeit noch namenlose Maschinenfabrik. Hier haben wir uns für einen Lasercutbausatz von der Firma MKB entschieden.  Auf dem nachfolgenden Modul kommt der Zug grundsätzlich vor einem Blocksignal, welches sich an einer kleinen Straßenunterführung  von Vampisol befindet,  zum Stehen.  An dieser Stelle wird im Fahrbetrieb die Umschaltung vom analogen in den digitalen Betrieb vorgenommen.

Die Begrünung erfolgt in bekannter Machart. Erschaffen wird sie mit Hilfe eines Grasmasters und der Verwendung von verschiedenen Materialien der Firmen Silflor, Silhouette und Langmesser. Auch diverse Bäume aus eigener Herstellung werden den Seitenraum der Strecke säumen.

Abzw-15
Abzw-16

Nach dem Einbau der Weichenantriebe wird auch dieser Bereich eingeschottert

           Zum Schluss erhalten die Gleise mit der Airbrush noch einen leichten rostigen Farbton

Abzw-19

Der Rohbau ist fertig. Aufgrund der Größe ist nur der Bereich der Hauptstrecke sichtbar. Die Module im Abzweig fehlen hier noch.

 

Bevor es aber daran geht, den „grünen Daumen“ zu schwingen, muss zuerst die Elektrik und Elektronik eingebaut und ausgiebig getestet werden, womit wir auch schon wieder beim Thema Digitalsteuerung angekommen wären.

Was wollen wir mit unserem Gleisabzweig eigentlich bezwecken? Diese Frage lässt sich relativ leicht beantworten, wenngleich deren Umsetzung schon etwas aufwendiger wird. Wie bereits bekannt ist, wird auf der eingleisigen Strecke ausschließlich digital gefahren und geschaltet. Dennoch sollen unsere Züge die Möglichkeit haben, im analogen Bereich der MMV-Strecke fahren zu können. Dazu bedarf es eines definierten Übergabepunktes. Ich will versuchen, anhand eines Beispiels dies zu erklären.

Es fährt ein Zug entweder automatisch durch die Zugsteuerung des Train Controllers oder manuell auf der eingleisigen Strecke bis an das Blocksignal des Abzweiges in Richtung der Hauptstrecke heran und hält langsam an. Über die Softwaresteuerung wird die Zugfahrt hier beendet und der Zug automatisch aus dem System entfernt. Übrig bleibt jetzt nur noch ein belegter Blockabschnitt auf dem Bildschirm des Computers. Mehr passiert im Moment nicht.

Wenn der Zug nun in die Hauptstrecke einfahren soll, wird in der Software mit Hilfe eines virtuellen Schalters eine Fahrweganforderung gestellt. Nun wird geprüft, ob das zu kreuzende Nordgleis der Hauptstrecke frei ist. Wenn das Gleis frei ist, wird es für den Streckenbetrieb gesperrt und für den wartenden Zug reserviert. Sollte es nicht frei sein, weil sich vielleicht noch ein Zug auf der Strecke befindet, wird so lange gewartet, bis er weg ist, um dann anschließend die Reservierung durchzuführen.

Die gleiche Prozedur wird nun für das Südgleis, in welches unser Zug fahren soll, durchgeführt. Sind beide Streckenabschnitte gesperrt, ist die Reservierung abgeschlossen und der Zug steht für die Abfahrt bereit. Wenn nun die nachfolgende Betriebsstelle einen Zug anfordert, wird dieser Befehl derart in der Software umgesetzt, dass zuerst die Weichen richtig geschaltet werden und dann das Blocksignal auf Fahrt gestellt wird. Zum Abschluss erfolgt die Umschaltung von der digitalen Spannungsversorgung auf die analoge Gleichspannung. Jetzt erhält der wartende Zug die Fahrspannung und kann sich in Bewegung setzen.

Nachdem er den nächsten Block (Meldestelle) erreicht hat, wird der Befehl zur Auflösung der Fahrstraße gesendet. In der Abarbeitung dieser Befehlsfolge werden die Weichen und Signale wieder zurückgestellt und das Gegengleis, welches gekreuzt wurde, wieder freigegeben. Somit ist die Strecke auf der Nordseite wieder für den „normalen“ Fahrbetrieb  frei.

Wenn im zweiten Fall ein Zug in die Nebenstrecke abzweigen soll, sofern er für die Digitalbetrieb geeignet ist, muss nun wieder eine Anforderung gestellt werden. Nach Überprüfung der Hauptstrecke wird der Fahrweg zur Nebenstrecke geschaltet und der ankommende Zug zweigt ab, fährt bis zum Blocksignal und hält hier an. Die hinter ihm liegende Hauptstrecke wird wieder durchgeschaltet und für den „normalen“ Fahrbetrieb freigegeben.

Nun wird (und das geht noch nicht automatisch) der Zug wieder im System des Train Controllers bekannt gegeben und kann wieder per Zugsteuerung und Zugverfolgung weitergefahren werden. Es gibt natürlich technische Möglichkeiten, über Rückmeldungen aus den Lokdecodern einen Zug automatisch anzumelden, aber dazu ist umfangreiche weitere Technik nötig. Zudem müssten auch alle Loks mit anderen Lokdecodern ausgestattet werden.

Ich gebe zu, dass dieses Projekt sicherlich nicht alltäglich ist. Auch die Lösungsansätze und deren Umsetzung bedürfen wegen des digital/analog Wechsels einiger technischer Klimmzüge. Aber nun sind die Testreihen zur  Zufriedenheit abgeschlossen. In einigen Wochen wird der im Rohbau fertige Abzweig  bei einem Fahrtreffen des Vereins noch einmal im Realbetrieb geprüft. Sollten auch hier keine Probleme auftauchen, geht es im Anschluss an die Landschaftsgestaltung. Über den Fortgang der Arbeiten werde ich dann hier an dieser Stelle wieder berichten.

Ende von Teil 1

J. Kühlinger  03.2016

Alle in dem Artikel verwendeten Markennamen sind eingetragene Warenzeichen.