Kopfleiste-2017

Zu Beginn des Umbaus hatte ich nur Rocos Dauer-Standard-Variante der 141, die nach einer grünen, einer blauen, noch einer blauen, einer blauen, einer grünen und einer blauen Variante, der Abwechslung wegen, jetzt wieder einmal in blau als Neuheit verkauft wird. Immer identisch ist leider auch die Ausstattung im Ablieferungszustand der 141: Einfachlampen, Umlauftrittrost, Umlaufgriffstange an der Front, Schweigerlüfter und Regenrinne sind immer mit von der Partie. Denjenigen, die gerne spätere Varianten der Lok haben möchten, bleibt nur der Umbau. Das Märklin-Modell scheidet für eine ernsthafte Modellnachbildung ebenso aus wie die Fleischmann-141, bei der aufgrund der antiquitierten Antriebstechnik eine Kernsanierung vonnöten wäre. Bleibt also Roco. Varianten mit Doppellampen sind machbar, aber sehr aufwändig. Von daher habe ich mich erst einmal  für die leichtere Variante entschieden: Die Einfachlampen bleiben.

Mir stand also folgendes Modell zur Verfügung:

 

Die Roco-141 ist keine schlechte Basis und absolut zeitgemäß detailliert, obwohl das Modell in dieser Form in nicht allzu langer Zeit seinen 20. Geburtstag feiert.

141_vorher

Nun musste ein geeignetes Vorbild gefunden werden. Im Lastenheft standen:

  • Einfachlampen
  • Ozeanblau/beige Lackierung
  • Zustand der Lok Ende der 1980er Jahre
  • Abdeckhaube über den Stromabnehmersenkantrieben

Ich habe also im HiFo (HiFo = Forum „Historische Bahn“ auf Drehscheibe Online) gesucht und auch eine passende Lok gefunden, die sich kompromissfrei umsetzen ließ:

141 081-0 sollte es werden. Einfachlampen passen zum Basismodell, das Vorhandensein der Abdeckhaube bedeutete auch hier keine Probleme und der Zustand auf dem Bild von 1987 passt auch genau zum gewünschten Zeitraum (ausgehende Epoche 4 – 5a).

Am Basismodell wurden im ersten Schritt nach der vollständigen Zerlegung die Regenrinnen, die Umlaufgriffstange, die Packwagensteckdose, der umlaufende Trittrost an der Front und die angespritzte Attrappe der Zuleitung für die Stromabnehmerantriebe abgeschnitten. Die alte Beschriftung wurde abgeschliffen und auch die erhabenen Führerstandsnummern mussten dran glauben. Auch Kupplungshaken und Bremsschläuche von Roco werden am endgültigen Modell keinen Platz mehr finden. Bei einem solch umfangreichen Umbau, darf es denn auch mal Weinert sein.

vorne

Die Griffstangen an der Front wurden aus 0,4mm-Draht gebogen. Die dazugehörigen Löcher bohrt man (bzw. ich) nach Augenmaß und nach einem Vorbildfoto. Auch die UIC-Steckdosen an den Fronten sind leicht anzubauen: Löcher bohren, einkleben, fertig. Der Befestigungspunkt der Steuerleitung wurde bei den 141ern mit der Zeit neben die Pufferbohle verlegt. Das alte Loch muss verspachtelt werden und ein neues an der richtigen Position gebohrt werden. Die Schlitze, in denen die Umlauftrittbleche an der Front steckten, werden ebenfalls komplett zugespachtelt. Auch der UIC-Standardpuffertritt wird angebaut, beim Ausgangsmodell fehlt er (richtigerweise).

pufferbohle

Der größte Fehler an Rocos 141 ist m.E., dass die Bremsschläuche in der Pufferbohle stecken und nicht, wie beim Vorbild, darunter angebracht sind. Ich habe also die alten Löcher verspachtelt und unter der Pufferbohle aus Kunststoffprofilen kleine Klötze gebastelt, die als neue Aufnahme fungieren. Ausrüstung für die Pufferbohle kommt von Weinert, genau genommen sind es: die Steuerleitung, die Bremsschläuche und die theoretisch (und praktisch) funktionstüchtigen Originalkupplungen. So weit werde ich es wohl nicht treiben, obwohl... eigentlich...

Ein Bisschen fummeliger wird es bei den Gummiregenrinnen. Sie werden aus 0,3mm-Draht gebogen und mit reichlich Sekundenkleber angeklebt. Überflüssiger Sekundenkleber muss danach bis auf den letzten Rest abgeschliffen werden, ansonsten sieht man ihn später durch die Lackierung.

Wenn man schon neu lackieren muss, kann man auch gleich die Zuleitung zu den Stroamabnehmersenkantrieben abschneiden und freistehend darstellen. Dazu werden aus Kunststoffresten kleine Klötzchen mit Einkerbung als Halter gebaut. Die Position und Lage der Leitung lässt sich anhand von Vorbildbildern gut erkennen. Sollten die nicht zur Hand sein, reicht auch ein vorher gemachtes Bild vom Roco-Dach: Die Leitung ist zwar nur am Gehäuse angespritzt, die Lage der Halter und die Länge der Leitung aber weitgehend korrekt. Die Leitung selber wurde aus 0,3mm-Draht zurechtgebogen und anschließend aufgeklebt. Die Leitungen enden an einem Ende in einem Loch im Lokdach sowie in einem zuvor gebohrten Loch in den Senkantriebsattrappen.

dach

 

Da wir gerade auf dem Dach sind: Das Befestigungskreuz der Roco-Stromabnehmer wird in der Mitte in Dachfarbe lackiert. Somit fällt es deutlich weniger auf und die Stromabnehmer wirken noch eine Spur filigraner, als sie sowieso schon sind. Auf Führerstand 2 muss die Antenne angebaut werden (siehe Bild), auch sie fehlt beim Roco-Modell noch. Die alten runden Schweiger-Lüftergitter werden gegen die Klatte-Lüfter der Roco-110.3 getauscht. Praktischerweise hat man bei Roco mitgedacht und man kann die Klatte-Lüfter ohne weitere Bearbeitung in das Lokgehäuse einklippsen.

An den Enden der Dächer befindet sich ein weiteres Problem des Roco-Modells: Das obere Spitzenlicht läuft nach unten gerade aus und sieht somit unschön und klobig aus. Ich habe die Lampe rundgeschliffen und das Ergebnis, kann sich, wie ich finde, sehen lassen.

141_seite
kühler

Komplizierter gestaltete sich der  Nachbau der Trafoölkühlerhaube. Nun ist es ja so, das Loks eher von vorne und von der Seite fotografiert werden, aber eben (leider) nicht unbedingt oft von oben. Ich habe sie dann, anhand von zwei Vorbildaufnahmen, aus dicker Plastikfolie nach Augenmaß und mit viel Probieren gebaut, mit dem Ergebnis... es ist ok geworden. Beim Vorbild kann man hindurchsehen, bei meinem Modell auch (wenn man will). Möglich macht es das feinste Drahtgewebe, was es im Weinert-Sortiment gibt.

Die Lackierung erfolgte mit RAL-Farben von Weinert. Ozeanblau und beige bedürfen keiner weiteren Erklärung, das Dach wird in RAL 7022 „umbragrau“ und alle Fahrwerksteile und die Pufferbohle in RAL 8019 „graubraun“ lackiert.

Um das Modell zu beschriften wird der komplette Lokkasten nach der Lackierung der einzelnen Farben einmal komplett mit hochglänzendem Klarlack lackiert. Dies dient dazu, dass die Decals (Nassschiebebilder) einen möglichst glatten Untergrund haben und sich kein heller Schleier unter dem Decal bildet. Der zusätzliche Arbeitsschritt lohnt sich auf jeden Fall, da das Modell am Ende wie bedruckt aussieht. Anschließend wird das Gehäuse einmal mit seidenmattem Klarlack überlackiert, weil hochglänzende Loks im Modell irgendwie nicht so toll aussehen und eine Schutzschicht über den Decals auch nicht unbedingt zu verachten ist.

Zum Schluss noch einmal der Vergleich Vorher gegen Nachher:

vergleich

Erfolglos war der Versuch, die Drahtgriffstangen von Roco gegen die UIC-Griffstangen aus gleichem Hause zu ersetzen. Sie verbiegen sich so sehr, dass ich wieder zurückgerüstet habe. Mit dem Kompromiss kann ich leben, immerhin sieht es nun nicht mehr krumm und schief aus.

Somit ist der 141-Umbau nun abgeschlossen und sie kann sich im Betrieb an die Arbeit machen.

ausfahrt

Eine sehr informative Seite über die BR 141 ist http://www.baureihe141.de.vu/. Dort findet man neben ausführlichen Erklärungen über die Technik und die Bauartunterschiede auch eines der seltenen Dachfotos.

Teileliste der für den Umbau benötigten Teile:

Roco:

   1x    43638 BR 141, blau

   1x    88030 Antenne

10x  114646 Klatte-Lüfter

   2x 114645 UIC-Trittstufen

   2x 114644 UIC-Steckdosen

   2x 114645 UIC-Puffertritt

 

Hersteller egal:

Hochglanzklarlack

Modellbauspachtelmasse

Komplettbeschriftungssatz

Silberdraht 0,4mm

Polystyrolprofile (Evergreen, Plastruct,…)

 

Weinert:

1x 9300 Draht 0,3mm

1x 8290 Druckluftschläuche Front

1x 8630 Schraubenkupplung (Bausatz)

1x 8514 Steuerleitung

1x 9330 Drahtgeflecht, 4 Maschen / mm

1x 2623 RAL 5020 ozeanblau

1x 2605 RAL 1014 elfenbein

1x 2644 RAL 8019 graubraun

1x 2636 RAL 7022 umbragrau

1x 2697 Klarlack Seidenmatt

1x 2600 Verdünnung

 

 

 

Hersteller egal:

Hochglanzklarlack

Modellbauspachtelmasse

Komplettbeschriftungssatz

Silberdraht 0,4mm

Polystyrolprofile (Evergreen, Plastruct,…)

 

…sowie eine umfangreiches Arsenal an Flachzangen, Pinzetten, Bohrern, Messern, Seitenschneidern und einer guten Airbrush.       

©2008 A.Kühlinger

 

 

Fleischmann® ist ein eingetragenes Warenzeichen der Gebr. Fleischmann GmbH und Co. KG, Nürnberg. Roco® ist ein eingetragenes Warenzeichen der Modelleisenbahn GmbH, Bergheim, Österreich. Märklin® ist ein eingetragene Warenzeichen der Gebr. Märklin & Cie. GmbH, Göppingen. Dieser Umbaubericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es wird keine Haftung für evtl. durch den Nachbau nach diesem Bericht  entstandene Schäden übernommen. Dieser Bericht und alle darin enthaltenen Fotos dürfen nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. Auch eine Weiterveröffentlichung auf privaten Internetseiten ist ohne meine ausdrückliche Zustimmung untersagt.